ECPAT Österreich, Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung

Sexuelle Ausbeutung von Kindern

Hintergrundinfo

Die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger ist sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene. Hier finden Sie Infos zu Betroffenen und Täter*innen.

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Terminologie

Im Bereich der Prävention und Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von und sexuellem Missbrauch an Kindern werden unterschiedliche Begriffe verwendet. Welche davon sollte man bestenfalls benutzen?

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Aktuelles

Hier finden Sie wichtige aktuelle Informationen, auch zu Veranstaltungen, Konferenzen und Publikationen.

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Die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger ist sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene wobei sich die scheinbare „Zustimmung“ durch Bezahlung oder Geschenke an die minderjährige Person oder an dritte Personen erkauft wird.

Wer ist betroffen?

Kinder werden nicht zufällig Opfer von sexueller Ausbeutung. Erwachsene missbrauchen gezielt ihre Autorität gegenüber Kindern, die oft unter sehr schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen. Durch das scheinbare Einverständnis mancher Betroffenen, die minderjährig sind, wird die sexuelle Ausbeutung nicht immer als solche erkannt. Dabei schädigen die Täter*innen nachhaltig jede Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeit der Kinder und nehmen ihnen ihre Würde. Die Missbrauchsopfer geraten so in einen immer noch tieferen Abhängigkeits- und Ausbeutungskreislauf. Jedes Kind (jeder Mensch unter 18 Jahre) hat das Recht, ein Leben frei von jeglicher Form der sexuellen Ausbeutung zu führen (Art. 34 UN Kinderrechtskonvention). Allerdings ist die gesellschaftliche Toleranz gegenüber diesem Verbrechen in vielen Ländern noch immer sehr hoch. Mit der Nachfrage steigt auch das Angebot. Neben der Strafverfolgung muss auch die „Kultur des Wegsehens“ durchbrochen werden, um kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern wirksam zu bekämpfen. 

Wer sind die Täter*innen?

Sexualstraftäter*innen kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen. - Kinder werden weltweit kommerziell sexuell ausgebeutet. 85% der Täter sind männlich, aber v.a. im Bereich Kinderhandel sind häufig auch Frauen Täterinnen. Die klassischen Täter*innen gibt es nicht. Oft werden die Täter*innen als Pädokriminelle bezeichnet, aber ein*e Täter*in muss nicht zwangsläufig pädosexuell sein. Häufig dokumentieren (Videos bzw. Fotos) die Täter*innen bei familiärem Missbrauch die Missbrauchshandlungen an dem Kind und veräußern diese dann im Internet, z.B. in einschlägigen Foren. Oft handelt es sich auch um „Gelegenheitstäter*innen“, die fernab von den üblichen Moralvorstellungen (z.B. auf Reisen) und gesetzlichen Schranken, die Gelegenheit ergreifen.

Der Schutz der Kinderrechte ist nicht nur Pflicht des Staates, sondern ein Auftrag an uns alle, sich für verbesserte Lebenschancen von Kindern einzusetzen!

Melden Sie Fälle von sexueller Ausbeutung!

Jegliche Hinweise auf und Verdachtsmomente von sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen weltweit können auf www.nicht-wegsehen.at gemeldet werden.

 

Terminologie

Bewusster und sensibilisierter Sprachgebrauch bei sexueller Ausbeutung und sexueller Gewalt von Kindern

Viele Medien, Behörden aber auch Wissenschaftler*innen und Fachleute nutzen regelmäßig Begriffe um sexuelle Ausbeutung oder sexuelle Gewalt zu beschreiben, die weder zutreffend sind noch eine Sensibilität gegenüber den betroffenen Kindern aufweisen und teilweise sehr bagatellisierend wirken. So lesen wir von "Kinderprostituierten", "Kindersextouristen" oder von "Kinderpornographie". Doch diese Begriffe beschreiben keineswegs angemessen das, was Kindern widerfährt.

Die Macht der Sprache darf nicht unterschätzt werden, denn Worte schaffen Wirklichkeit.

ECPAT unterstützt daher die Verwendung angemessener und sensibler Sprache, wenn über sexuelle Ausbeutung von und sexueller Gewalt an Kindern gesprochen wird. Wir verwenden Begrifflichkeiten, die als respektvoller und weniger stigmatisierend gegenüber den betroffenen Kindern gelten.

Die von uns verwendeten und empfohlenen Begrifflichkeiten finden Sie in verschiedenen Sprachversionen unter http://luxembourgguidelines.org. Informationen zum deutschen Terminologischen Leitfaden finden Sie auch auf https://www.terminologie.ecpat.de.

Wir müssen keine neue Sprache lernen, sondern nur bewusster mit ihr umgehen!

Hier finden Sie konkrete Beispiele für sensiblen Sprachgebrauch:

ECPAT unterstützt die Verwendung der Terminologie "Missbrauchsdarstellungen von Kindern", anstatt des Begriffs "Kinderpornographie". Letzteres verschleiert und verharmlost den ausbeuterischen Charakter des Verbrechens an den betroffenen Kindern. Es gibt keine einvernehmliche Sexualität mit Kindern, sexuelle Handlungen an und mit Kindern ist immer sexuelle Gewalt!

Jeder Missbrauchsdarstellung liegt auch ein realer Missbrauch von Kindern zugrunde.

 

ECPAT benutzt bewusst die Terminologie "Missbrauchsdarstellungen von Kindern", wenn es um spezifische Publikationen zum Thema geht. In unserer Policyarbeit verwenden wir nach wie vor aber auch den Begriff "Kinderpornographie", um etwaige Verwirrungen mit den rechtlichen Bezeichnungen in nationalen Gesetztestexten und internationalen Konventionen und Verträgen zu vermeiden.

Selbiges gilt für den Begriff "Kindersextourismus", welchen wir durch die Terminologie "sexuelle Ausbeutung von Kindern im Tourismus und auf Reisen" ersetzen.

Informationen zur Sprache, die von ECPAT Österreich und dem ECPAT Netzwerk verwendet wird, und wie es zur Entstehung der verschiedensprachigen Leitfäden kam, finden Sie hier.

 

Luxembourg-Guidelines: Richtlinien zur verwendeten Terminologie

Im Bereich der Prävention und Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von und sexuellem Missbrauch an Kindern sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr neue Begriffe hinzugekommen, so zum Beispiel „Sexting“. Gleichzeitig wurden Begriffe wie Kinderprostitution und Kinderpornographie immer mehr kritisiert – unter anderem auch von Betroffenen dieser Verbrechen. Neue Begrifflichkeiten wurden stattdessen verwendet, die als respektvoller und weniger stigmatisierend gegenüber den betroffenen Kindern gelten. Die schon länger existierende Terminologie wurde jedoch von vielen Akteur*innen weiter verwendet, unter anderem auch in rechtlichen Dokumenten. Zudem gibt es Meinungsverschiedenheiten bezüglich der genauen Bedeutung mancher Begriffe.

Nachdem die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist ein komplexes Problem ist, muss dessen Bekämpfung von vielen verschieden Akteur*innen aus unterschiedlichen Bereichen stattfinden. Das Fehlen einer gemeinsamen Sprache kann zu Verwirrung und Problematiken bei der Verständigung zwischen Gesetzgebern, Kinderschutzorganisationen, Medien und weiteren Akteur*innen führen. Keine einheitlichen Begrifflichkeiten zu haben um diese Verbrechen zu beschreiben untergraben somit die Anstrengungen Kinder zu schützen. Im Kontext der transnationalen sexuellen Ausbeutung von Kindern sind diese Herausforderungen nur noch größer.

Mitglieder des ECPAT-Netzwerks wie auch andere NGOs, die in thematisch ähnlichen Bereichen arbeiten, äußerten den Wunsch nach einer einheitlichen Terminologie.

Daraufhin hat ECPAT im Jahr 2014 eine Arbeitsgruppe zur verwendeten Terminologie und Sprache in diesem Bereich gestartet. Die Arbeitsgruppe wurde von ECPAT Luxemburg koordiniert. Ziel war es zu einer Übereinstimmung unter den verschiedenen Stakeholdern bezüglich der im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Kindern verwendeten Begrifflichkeiten zu erreichen. Diese soll unter Anderem in politischen Dokumenten, Programmgestaltung, Gesetzgebung, Lobbying und Nachrichtenaustausch verwendet werden.

Am 14. Juni 2016 hat die „Global Interagency Working Group“ nun das Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlicht: Die „Terminology Guidelines for the Protection of Children from Sexual Exploitation and Sexual Abuse“. Die Richtlinien, auch bezeichnet als Luxembourg-Guidelines, sind ein wichtiger Schritt um Zusammenarbeit gegen die sexuelle Ausbeutung und den sexuellen Missbrauch von Kindern zu stärken. Sie wurden in Übereinkunft von 18 großen internationalen Organisationen beschlossen und sie damit ein wichtiger Meilenstein für den Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung.

Hier finden Sie die Luxembourg-Guidelines auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch.

Aktuelles

Neue EU-Strategie zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern

29. Juli 2020 – ECPAT Österreich begrüßt die neue, am 24 Juli 2020 verabschiedete EU-Strategie für eine wirksamere Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor allem im Hinblick auf die enorme Zunahme an im Internet verfügbaren Bildern und Videos von sexuellem Kindesmissbrauch. So soll, nach dem Vorbild ähnlicher Einrichtungen in anderen Ländern, unter anderem ein Europäisches Zentrum zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern eingerichtet werden.

"Diese Maßnahmen sind dringend notwendig angesichts des unrühmlichen EU-Rekords, dass mitterweile in EU-Ländern weltweit die größte Menge an Datenhosting von Online-Missbrauchsdarstellungen mit Kindern stattfindet. Wir begrüßen daher die in der Strategie formulierten Absichten und Ziele und hoffen, dass sie rasch auch praktisch umgesetzt werden. Ein intensiverer Austausch auf Expert*innen-Ebene sowie verstärkte Multistakeholder-Kooperationen sind diesbezüglich wichtige Maßnahmen. Allerdings wird schon sehr lange dazu diskutiert und zahlreiche Initiativen wurden bereits in den vergangenen 20 Jahren gestartet. Dennoch sind die Zahlen konstant gestiegen, wie auch in der EU-Strategie vermerkt wird. Es braucht u. a. ein fundamentales Umdenken innerhalb der gesamten IT-Industrie – "Freiheit und Anonymität im Netz " müssen dort enden, wo Kinderrechte (Missbrauch und Ausbeutung) bzw. Menschenrechte generell (Hass im Netz) gefährdet sind. Bei manchen der großen, internationalen IT-Konzerne ist ein Wandel erkennbar, aber bei weitem nicht bei allen. Es ist in jedem Fall noch Luft nach oben, was die technischen Möglichkeiten betrifft, illegale Inhalte aufzuspüren oder auch gar nicht zuzulassen", betont ECPAT Geschäftsführerin Astrid Winkler. 

Einige wichtige Punkte der EU-Strategie:

  • Die Mitgliedstaaten müssen die Umsetzung der Richtlinie über sexuellen Kindesmissbrauch vorrangig zum Abschlussbringen. Die Kommission wird weiterhin von ihren Durchsetzungsbefugnissen gemäß den Verträgen Gebrauch machen und Vertragsverletzungsverfahren einleiten, wenn dies für eine rasche Umsetzung erforderlich ist. 
  • Die Kommission wird die erforderlichen Rechtsvorschriften zur wirksamen Bekämpfung des sexuellen Kindesmissbrauchs im Internet vorschlagen, u.a. durch die Verpflichtung der einschlägigen Online-Diensteanbieter, bekanntes Material über sexuellen Kindesmissbrauch aufzuspüren und dieses Material den Behörden zu melden. 
  • Europol wird ein "Innovation Hub and Lab" einrichten. Die Kommission wird Mittel zur Verfügung stellen, um die Entwicklung nationaler Kapazitäten zu erleichtern, um mit den technologischen Entwicklungen Schritt zu halten und eine wirksame Reaktion der Strafverfolgungsbehörden auf diese Verbrechen zu gewährleisten. 
  • Die Kommission wird unverzüglich mit der Vorbereitung eines Präventions-Netzwerks, bestehend aus anerkannten Praktiker- und Forscher*innen auf EU-Ebene beginnen, um den Austausch zu erleichtern und die Mitgliedstaaten bei der Einführung von brauchbaren, evaluierten und wirksamen Präventionsmaßnahmen zu unterstützen, um die Prävalenz des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der EU zu verringern. Das Netzwerk soll die Arbeit der Mitgliedstaaten zur Sensibilisierung durch gezielte Medienkampagnen und Schulungsmaterialien unterstützen und gemeinsam mit der Kommission Sensibilisierungskampagnen starten um Kinder, Eltern, Betreuer und Erzieher über Risiken und Präventionsmechanismen und -verfahren zu informieren. 
  • In Bezug auf Organisationen, die mit Kindern arbeiten - Sportzentren und -vereine, religiöse Einrichtungen, Gesundheitsdienste, Schulen, außerschulische Aktivitäten - sind Präventionsanstrengungen erforderlich, um das Bewusstsein zu schärfen und sie über Möglichkeiten zur Verhinderung von Missbrauch zu informieren, z.B. durch gezielte Schulungen, die Gewährleistung geeigneter Verfahren und die Nutzung ihrer rechtlichen Befugnis nach EU-Recht, Strafregister über das Europäische Strafregisterinformationssystem grenzüberschreitend anzufordern. 
  • Die Kinder selbst müssen über das Wissen und die Instrumente verfügen, die ihnen helfen könnten, nach Möglichkeit nicht mit dem Missbrauch konfrontiert zu werden (z.B. darüber, wie sie das Internet sicher nutzen können), und sie müssen darüber informiert werden, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht akzeptabel sind. Das von der Kommission finanzierte Netzwerk von Safer-Internet-Zentren sensibilisiert für die Online-Sicherheit und bietet über Helplines und Hotlines Informationen, Ressourcen und Hilfe zu einer breiten Palette von Themen der digitalen Sicherheit, einschließlich Grooming und Sexting 
  • Die Kommission wird unverzüglich eine Studie in Auftrag geben, die auf die Schaffung eines europäischen Zentrums zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern hinarbeiten soll, um eine umfassende und wirksame Reaktion der EU gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern online und offline zu ermöglichen. 
  • Das Zentrum könnte auf den bewährten Praktiken und Erfahrungen ähnlicher Zentren in der ganzen Welt aufbauen, wie z.B. des National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) in den USA, des Canadian Centre for Child Protection und des Australian Centre to Counter Child Exploitation. Das Zentrum könnte auch Unternehmen unterstützen, indem es z.B. eine einzige Datenbank in der EU über bekanntes Material über sexuellen Kindesmissbrauch unterhält, um dessen Aufdeckung in den Systemen der Unternehmen unter Einhaltung der EU-Datenschutzvorschriften zu erleichtern. 
  • Die Kommission wird in den kommenden Monaten und Jahren eng mit Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Hochschulen, Praktikern, Forschern, Strafverfolgungs- und anderen öffentlichen Behörden sowie anderen relevanten Interessengruppen in der EU (einschließlich des Europäischen Parlaments und des Rates) und weltweit zusammenarbeiten, um eine wirksame Erforschung und Umsetzung der acht in der Strategie vorgestellten Initiativen zu gewährleisten. 

Die EU-Strategie in voller Länge finden Sie hier.

Weitere Informationen: https://ec.europa.eu/home-affairs/what-we-do/policies/cybercrime/child-sexual-abuse_en

COVID-19 Pandemie erhöht das Risiko von sexueller Ausbeutung und Kinderarbeit

Anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit warnt ECPAT vor einem Anstieg einer der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, der sexuellen Ausbeutung

12.06.2020 – Die Krise kann weitere Millionen von Kindern in Kinderarbeit und damit auch in sexuelle Ausbeutung treiben. Schon jetzt gibt es lt. der Internationalen Arbeisorganisation, ILO, schätzungsweise 152 Millionen Kinder in Kinderarbeit, 72 Millionen davon in gefährlicher Arbeit, die in ihren schlimmsten Formen sexuelle Ausbeutung von Kindern, moderne Sklaverei oder die Rekrutierung für kriminelle Aktivitäten beinhaltet. Insbesondere die Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet haben sich durch die Pandemie dramatisch verschärft. Jüngste Zahlen der Europol zeigen eine erschreckende Zunahme der Versuche, auf illegale Websites mit Material über sexuelle Ausbeutung von Kindern zuzugreifen. Es ist einfacher denn je, auf Material über sexuellen Kindesmissbrauch zuzugreifen, es herunterzuladen, zu produzieren und weiter zu verbreiten. So nutzen Sexualstraftäter*innen im Internet die Situation zunehmen aus, um mit Kindern online in Kontakt zu treten und die Kinder zu sexuellen Aktivitäten zu locken. Kinder, die von sozialer Ausgrenzung und Armut betroffen sind, sind besonders gefährdet. Ungleichheit, soziale Ausgrenzung und Diskriminierung, die durch die Krise noch verschärft werden, verschlimmern die Situation zusätzlich.

Lesen Sie den Bericht von ECPAT International zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die sexuelle Ausbeutung von Kindern hier.

Quelle: ECPAT International, ILO, European Council 

Wir feiern: 30 Jahre ECPAT International

Am 5. Mai 2020 feiert ECPAT International sein 30-jähriges Jubiläum. "Dies ist ein Moment zum Erinnern und zum Feiern … aber keine Zeit zum Ausruhen. Denn leider ist die Realität so, dass die sexuelle Ausbeutung von Kindern noch immer stattfindet. Während wir ein neues Kapitel unserer ECPAT-Geschichte aufmachen, werden wir an die Entschlossenheit unserer Gründer und die unglaubliche Kraft des gemeinsamen Handelns auf der ganzen Welt erinnern. Wir danken allen, die diese unglaubliche Reise möglich gemacht haben“, so ECPAT International zum Jubiläum. 

Unsere Geschäftsführerin Astrid Winkler erklärt in einem persönlichen Statement zum 30-jährigen Jubiliäum ihre Motivation sich für ECPAT unaufhaltsam einzusetzen: „2001 begann ich, mit einem der Gründungsmitglieder von ECPAT zu arbeiten, einer Organisation, die sich mit nachhaltigem und verantwortungsbewusstem Tourismus beschäftigte. Gemeinsam mit ihnen arbeitete ich als Projektverantwortliche für ein EU-Projekt zur Weiterentwicklung und Umsetzung des "Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Reise- und Tourismus" - alle anderen Partner waren ECPAT-Organisationen, z.B. aus Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Italien etc. Voilà, dies war mein erster Kontakt mit dem ECPAT-Netzwerk, und ich hatte die Gelegenheit, am zweiten Weltkongress 2001 in Yokohama teilzunehmen. Ich war sehr beeindruckt und inspiriert davon, das Netzwerk und seine engagierten Mitarbeiter kennen zu lernen und besser kennen zu lernen, und kam mit der Idee zurück: "Wir müssen versuchen, ECPAT in Österreich zu etablieren". Und mein Kollege und Chef unterstützte diese Idee sofort, und gemeinsam starteten wir 2003 erfolgreich die "Österreichische Plattform gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern", die einige Jahre später zu "ECPAT Österreich" wurde. Ich verlor nie die Inspiration, meine Mitarbeiter dem einzigen Ziel des ECPAT-Netzwerks zu widmen, nämlich der sexuellen Ausbeutung von Kindern ein Ende zu setzen. Ich schätze das ECPAT-Netzwerk nach wie vor für seinen Fokus auf dieses Thema, für seine führende Rolle in der Interessenvertretung und Lobbyarbeit zu diesem Thema bei vielen relevanten Gremien, für seine Vielfalt, für seine Tendenz, zu wachsen und mehr inspirierte Fachleute an Bord zu holen.“

Unsere gemeinsame Reise für den Schutz der Kinder geht weiter.

Lesen Sie die ganze Geschichte von ECPAT International hier: www.ecpat.org oder hören Sie den Podcast zur Geschichte hier.

Mit angemessener Sprache Kinder gemeinsam vor sexueller Gewalt schützen

19. Dezember 2019 - Viele Medien, Behörden aber auch Wissenschaftler*innen und Fachleute nutzen regelmäßig Begriffe um sexuelle Ausbeutung oder sexuelle Gewalt zu beschreiben, die weder zutreffend sind noch eine Sensibilität gegenüber den betroffenen Kindern aufweisen und teilweise sehr bagatellisierend wirken. So lesen wir von „Kinderprostituierten“, „Kindersextouristen“ oder von „Kinderpornographie“. Doch diese Begriffe beschreiben keineswegs angemessen das, was Kindern widerfährt.

Die Macht der Sprache darf nicht unterschätzt werden, denn Worte schaffen Wirklichkeit.

ECPAT unterstützt daher die Verwendung angemessener und sensibler Sprache, wenn über sexuelle Ausbeutung von und sexueller Gewalt an Kindern gesprochen wird. Wir verwenden Begrifflichkeiten, die als respektvoller und weniger stigmatisierend gegenüber den betroffenen Kindern gelten. Die von uns verwendeten und empfohlenen Begrifflichkeiten finden Sie in verschiedenen Sprachversionen unter http://luxembourgguidelines.org.

Anfang Dezember ist nun auch der Leitfaden auf deutscher Sprache erschienen. ECPAT Deutschland hat diesen erstellt. Informationen zum deutschen Terminologischen Leitfaden finden Sie auf der internationalen Seite und auf https://www.terminologie.ecpat.de. Dort finden Sie auch einen Begriffs-Check und weitere hilfreiche Materialien.

Ausführliche Informationen zur Sprache, die vom ECPAT Netzwerk verwendet wird, finden Sie hier.

Vernetzungstreffen für Organisationen aus Europa und Zentralasien in Wien

15.-17. Mai 2019 – ECPAT Gruppen aus Ost- und Westeuropa und Zentralasien, sowie Anwärter-Organisationen auf die ECPAT Mitgliedschaft aus diesen Regionen haben sich in Wien getroffen um regionale Strategien zu besprechen. Des Weiteren tauschten sich die Teilnehmer*innen zu Best Practice Beispielen aus und diskutierten mögliche länderübergreifende Kooperationen sowie zukünftige, gemeinsame Projekte.

Am letzten Tag trafen sich die ECPAT Gruppen mit der Menschenrechtsinstitution ODIHR der OSZE. Im Rahmen eines runden Tischs wurde der letzte Bericht der OSZE zu Kinderhandel und Kinderschutz diskutiert, ebenso wie das Kapitel zu Kindern im Handbuch zu Nationalen Kooperationsmechanismen. Die teilnehmenden Organisationen profitierten von diesem Austausch: die OSZE erhielt wertvolle Rückmeldungen von Kinderrechtsorganisationen, die ECPAT Gruppen konnten direkte Kontakte zu nationalen Stakeholdern schließen.

Das Vernetzungstreffen wurde von Stana Buchowska organisiert, der Regionalen Koordinatorin für Osteuropa und Zentralasien für ECPAT International, die bei ECPAT Österreich angesiedelt ist.

Bild von links: Stana Buchowska (ECPAT International) und Kerstin Dohnal (ECPAT Österreich)

Eindrücke von der Konferenz bekommen Sie in diesem Video.

ECPAT International richtet sich an religiöse Vertreter*innen

30. November 2018 - Die Mehrheit der Weltbevölkerung ist religiös. Daher sind religiöse Vertreter*innen in einer besonderen und wichtigen Position im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern.

Robbert van den Berg, der Geschäftsführer von ECPAT International, hat auf der Interfaith Alliance for Safer Communities in Abu Dhabi am 19. und 20. November 2018 teilgenommen. Dort traf er auf wichtige religiöse Vertreter*innen des Islam, Christentums, Judentums, Buddhismus und Hinduismus. Robbert van den Berg forderte sie auf aktuelle Trends in Hinblick auf soziale Netzwerke zu verfolgen und in ihren Gemeinden Kinder vor sexueller Ausbeutung zu schützen.

„About 85% of the world claims to believe in a religion. As religious leaders, that puts you in a unique position to be part of the solution. You have the power to make a huge difference in the fight against sexual exploitation and abuse. You have a responsibility to report if you hear it is happening in your communities. You have the unique ability to take the moral high ground and stamp it out.” – Robbert van den Berg

Weitere Informationen finden Sie hier, auf der Website von ECPAT International.

Hier finden Sie den Leitfaden „Protecting Children from Online Sexual Exploitation A GUIDE TO ACTION FOR RELIGIOUS LEADERS AND COMMUNITIES der von ECPAT International und Religions for Peace herausgegeben wurde.

7. ECPAT International Assembly in Bogotá, Kolumbien

05./06. Juni 2018 - Die 7. Generalversammlung des ECPAT Netzwerkes fand am 5./6. Juni, 2018 in Bogotá, Kolumbien statt. Das Netzwerk ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen – auf mittlerweile 104 Mitglieder aus 93 Ländern. Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst des Boards von ECPAT International, unter der Leitung von Carol Bellamy sowie von Dorothy Rozga, die bis Anfang Juli Direktorin des internationalen Netzwerks ist. Ihre Nachfolge wird am 16. Juli 2018 Robbert van den Berg antreten.

Anlässlich der 7th Assembly wurde auch ein neues Video über das internationale ECPAT Netzwerk präsentiert.

Direkt im Anschluss fand der „International Summit on Child Protection in Travel and Tourism“ mit 400 Teilnehmenden aus Regierungen, UNICEF, UNODC, WTTC und ECPAT Mitgliedern statt. Expert*innen aus unterschiedlichen Bereichen diskutierten, wie Kinder im Tourismus und auf Reisen effizienter vor sexueller Ausbeutung geschützt werden können. Als Ergebnis des Summits wurde ein Call for Actionverabschiedet.

ECPAT Österreich Geschäftsführerin, Astrid Winkler, hat im Rahmen eines Panels die Kampagne "Don't Look Away" vorgestellt.

Global Survivor’s Forum

18. November 2016 – Auf Initiative von ECPAT International hat am 18. November 2016 das weltweit erste Global Survivor’s Forum für erwachsene Überlebende von sexueller Ausbeutung in der Kindheit stattgefunden. Das Forum wurde am 18. November durchgeführt, da dies ebenfalls der Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch ist. Fürsprecher*innen von Überlebenden und Expert*innen sind im Europarat (Straßburg) für einen runden Tisch zusammen gekommen. Überlebende aus der ganzen Welt konnten das Treffen live im Internet verfolgen und durch eine Online Plattform Kommentare abgeben und Fragen stellen.

Diese Initiative von ECPAT International hat zum Ziel, den Überlebenden von sexueller Ausbeutung in der Kindheit eine Stimme zu verleihen und die Rechte der Betroffenen stärker in den Fokus zu rücken. Die Veranstaltung stellte lediglich den Auftakt für eine weltweite online Survivor-Plattform dar. Sie will Betroffenen einen Raum für Austausch und Vernetzung sowie für Information (z.B. über deren Rechte) bieten.

Im Vorfeld haben ECPAT Gruppen in mehr als 20 Ländern mit rund 300 Überlebenden gesprochen und ihre Geschichten mit Hilfe unterschiedlicher Medien aufgezeichnet. Auch ECPAT Österreich konnte einen Beitrag leisten, indem wir Kontakt mit der Initiative Herzwerk aufgenommen haben. Die Hilfseinrichtung arbeitet mit Frauen und Männern in der Prostitution, vorwiegend mit solchen, die sich in einer Zwangslage befinden. Es wurde Interviews mit zwei Frauen geführt, die in ihrer Kindheit Opfer von sexueller Ausbeutung geworden waren. Eine wichtige Botschaft einer der beiden Frauen, mit denen Herzwerk gesprochen hat, lautet:

"Den Überlebenden muss Mut zugesprochen werden; sie brauchen Schutz und man muss ihnen gut zuhören. Vor allem Kindern muss man gut zuhören. Nur allzu oft werden die Hilfesignale nicht gehört".

Hier finden Sie weitere Informationen über das Global Survivor’s Forum.

Hier können Sie sich Berichte von Überlebenden durchlesen.

Ein Video mit Botschaften unterschiedlicher Überlebender finden Sie hier, auf unserem YouTube-Kanal.

Während des Forums wurden die „Bill of Rights“ mit dem Titel "Know Your Rights" für Überlebende sexueller Ausbeutung bestätigt. Diese finden Sie hier.

20. Jahrestag: „1. Weltkongress gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern“

30. August 2016 – Zwischen dem 27. und 31. August 1996 fand auf gemeinsamer Initiative von ECPAT, UNICEF und der NGO Group for the Rights of the Child (jetzt als „Child Rights Connect“ bekannt) der „Erste Weltkongress gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern“ in Stockholm (Schweden) statt. Mit dem Kongress wurde Geschichte geschrieben. Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und MedienvertreterInnen aus 122 Ländern weltweit kamen zusammen, um Aufmerksamkeit auf die Beendigung von kommerzieller sexueller Ausbeutung von Kindern zu lenken.

Am 30. August 1996 machten Vertreter*innen von 122 Regierungen, nationalen Parlamenten, der Vereinten Nationen, aus der Privatwirtschaft, akademischen und zivilen Gesellschaft Kindern das Versprechen, eine globale Partnerschaft gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern zu bilden.

Vor 500 Medien wurde der Stockholmer Aktionsplan verabschiedet, indem spezifische Schritte festgelegt wurden, um gegen die Problematik vorzugehen. Als ein Ergebnis des Kongresses, verwandelte sich ECPAT von einer regionalen Kampagne in ein globales Netzwerk. Heute ist das internationale ECPAT Netzwerk mit 90 Mitgliedern in 82 Ländern weltweit vertreten. Gemeinsam sind wir stärker als jemals zuvor!

Die Geschäftsführerin von ECPAT Österreich, Mag.a Astrid Winkler, äußert sich zum 20. Jahrestag des ersten Weltkongresses: „Das ECPAT Netzwerk hat ganz wesentlich seit dem ersten Weltkongress dazu beigetragen, dass sexuelle Ausbeutung von Kindern aus der "Tabuzone" ins Bewusstsein der Regierungen, aber auch der einzelnen Menschen geholt wurde. Wie jedoch die von ECPAT koordinierten "Global Study" zeigt, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Insbesondere die Internetkommunikationstechnologien sowie die Globalisierung haben auch für Täter neue Wege eröffnet, sich einfach und relativ anonym an Kinder heranzumachen.“

Anlässlich des 20. Jahrestags wurde auch eine Presseinformation veröffentlicht. Diese finden Sie hier.