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Wie viele Kinder sind betroffen?

Wir müssen uns bewusst sein, dass es sich bei sexueller Gewalt an Kindern um ein Delikt handelt, bei dem die Dunkelziffer sehr hoch ist, d.h. Statistiken können sich nur auf bekannt gewordene bzw. angezeigte Fälle beziehen. ExpertInnen sind jedoch in der Lage, Schätzungen vornehmen, die das Dunkelfeld berücksichtigen. So geht man z.B. davon aus, dass jedes 4. Mädchen und jeder 8. Bub mindestens einmal während der Kindheit bzw. Jugend Opfer eines sexuellen Übergriffs wird.

Noch schwieriger ist es, genaue Zahlen zu kommerzieller, sexueller Ausbeutung zu eruieren. Die betroffenen Kinder nehmen sich selbst oft nicht als Opfer wahr, da sie von den Tätern manipuliert werden. Auch Scham und Angst verhindern eine Meldung an Behörden. Zudem fehlen eine einheitliche Definition von kommerzieller sexueller Ausbeutung und spezifische Methoden zur Datenerfassung.

Das Ausmaß der seelischen und körperlichen Verletzungen durch diesen Missbrauch kann aber ohnehin nicht in Zahlen gemessen werden. Für ECPAT ist schon ein Kind, das kommerziell ausgebeutet wird zu viel.

Österreich

Allgemein

  • 2012 gab es in Österreich 232 Verurteilungen laut § 206 und § 207 StGB zu „(schwerem) sexuellen Missbrauch von Unmündigen“ (Statistik Austria, 2012).

Pornografische Darstellungen Minderjähriger

  • 4299 Hinweise zu Kinderpornografie gingen 2013 bei der Meldestelle "Stopline.at", 1527 davon wurden als illegal eingestuft. Dies bedeutet einen Anstieg von 16% im Vergleich zum Vorjahr! (Stopline, 2013).

  • 2013 gab es in Österreich nach  § 207a StGB – Pornographische Darstellungen Minderjähriger 344 Verurteilungen (Statistik Austria, 2013).

sexuelle Ausbeutung im Tourismus

  • Nach Hochrechnung einer deutschen Studie (Kleiber, 1995) hätten jährlich 1-2 Prozent der deutschen Männer Sex mit Minderjährigen im Ausland. Umgelegt auf Österreich wären das pro Jahr 2.200  und 4.500 Österreicher (ECPAT Österreich, 2006).

Menschenhandel

  • Laut Angaben von Eurostat wurden 2012 innerhalb Österreichs 103 Personen als Betroffene des Menschenhandels identifiziert (EU, 2013).

  • 2013 gab es in Österreich (nach § 104a und §217 StGB) 167 Anklagen wegen Menschenhandel, davon wurden 26 schuldig gesprochen (EU, 2013).

International

Allgemein

Die aktuellste Studie der International Labour Organisation (ILO 2012) geht davon aus, dass weltweit 18,7 Millionen Menschen in Zwangsarbeitsverhältnissen leben. Diese Art von Arbeitsverhältnis wird definiert als "Arbeit oder Dienst, die von Menschen unter der Bedrohung physisch, psychisch oder finanziell bestraft zu werden und gegen den eigenen Willen vollzogen wird". Davon sind 4,5 Millionen (22%) Personen von sexueller Ausbeutung betroffen, davon wiederum 5,5 Millionen (26%) Minderjährig sind.

  • Weltweit werden 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen und 1,2 Millionen Kinder wie Ware verkauft – viele zu sexuellen Zwecken (UNICEF, 2008).

  • ECPAT schätzt den Umsatz von Kinderpornografie und Kinderprostitution auf 12 Milliarden US-Dollar im Jahr (ECPAT International, 2008).
  • Laut ILO werden 20,9 Millionen Menschen zu Zwangsarbeit gezwungen, rund 22 Prozent zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Davon sind 5,5 Millionen Kinder (ILO, 2012).

Neue Medien

  • In mehreren europäischen Ländern zeigen die Daten, dass zwischen 15 und 20 Prozent der jugendlichen Internetnutzer über Fälle von Nötigung berichten oder sich online unwohl oder bedroht fühlen (EU-Kids Online, 2010).

  • Bei der Studie EU-Kids Online gaben 15% der befragten Elf- bis 16-Jährigen an, sexuelle Nachrichten oder Bilder über das Internet erhalten zu haben (EU-Kids Online, 2010).

  • 38 Prozent der befragten Jugendlichen einer Studie der Universität Köln, wurden im Internet gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt. Jeder Zehnte bekam unaufgefordert Nacktfotos zugesandt, acht Prozent wurden zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert und jedes zweite Mädchen wurde bereits mit sexuellen Inhalten belästigt (UNICEF, 2008).

 Kinderpornografie

  • 80 Prozent der minderjährigen Opfer, die auf kommerziellen, pornografischen Bildern zu sehen sind, sind jünger als 10 Jahre (ECPAT International, 2008).

  • Die Internet Watch Fundation ging im Jahr 2010 von weltweit 9.550 Webseiten mit Darstellungen von sexuellem Missbrauch von Kindern aus (IWF, 2012).
  • 2012 gingen bei der Internet Watch Fundation 35.821 Hinweise mit Verdacht auf Kinderpornografie ein (IWF, 2012).

Kinderhandel/Menschenhandel

  • Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) geht davon aus, dass weltweit 2,4 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel sind (ILO, 2009).

  • Im Zeitraum von 2007 bis 2010 waren nach Angaben von UNODC 55-60 Prozent aller Betroffenen von  Menschenhandel weiblich und rund 27 Prozent Kinder und Jugendliche (EU, 2013).
  • Im Zeitraum 2010-2012 berichtet Eurostat von 30.146 behördlich registrierten Fällen von Menschenhandel, davon seien insgesamt 80% weiblich, 16% minderjährig, und 2% zwischen 0 und 11 Jahre alt. Die Mehrheit (69%) der registrierten gehandelten Opfer wurden sexuell ausgebeutet, von den weiblichen Opfern seien es insgesamt 85%.